ROUNDUP 2: Hohe Sondereffekte bescheren FMC starkes Quartal - Aktie unter Druck
(neu: Analystenkonferenz, Kurs)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC)
Die Aktie sank im frühen Handel auf ein Monatstief, gegen Mittag lag das Kursminus noch bei 7,5 Prozent auf 41,50 Euro. Seit Jahresbeginn bleibt damit ein kleines Plus. Von den früheren Höchstständen ist die Aktie ohnehin weit entfernt: 2018 kostete sie zeitweise fast 94 Euro, ehe eine Serie von Gewinnwarnungen den Kurs bis Oktober 2022 auf rund 26 Euro drückte. Erst mit dem Spar- und Umbauprogramm setzte die Erholung ein.
Das zweite Quartal sei zwar überraschend stark ausgefallen, doch habe FMC erheblich von den befristeten US-Vergütungsregeln für neue Dialysemedikamente (TDAPA) profitiert, schrieb UBS-Analyst Graham Doyle. Enttäuschend seien zudem die Behandlungszahlen in den USA gewesen. JPMorgan-Analyst David Adlington sieht den Überraschungseffekt vor allem darin, dass der Markt den Zeitpunkt der TDAPA-Erstattungen falsch eingeschätzt habe. Nach der bestätigten Jahresprognose dürften nun die durchschnittlichen Analystenschätzungen für das zweite Halbjahr sinken.
Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis legte im zweiten Quartal währungsbereinigt um 23 Prozent auf 569 Millionen Euro zu, wie FMC am Montagabend in Bad Homburg mitteilte. Analysten hatten weniger erwartet. Vor allem das Geschäft mit den eigenen Dialysekliniken und Versorgungszentren entwickelte sich laut Konzern besser als am Markt gedacht.
Auch die übrigen Ergebniskennziffern von FMC fielen besser aus als erwartet. Der den Anteilseignern zurechenbare Gewinn sank im Quartal zwar nominal um drei Prozent auf 218 Millionen Euro, währungsbereinigt ergab sich jedoch ein Plus von drei Prozent.
Seit mehr als drei Jahren treibt FMC ein Spar- und Umbauprogramm voran. Bis 2027 sollen Stellenabbau, Klinikschließungen und Teilverkäufe Einsparungen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro bringen, für 2026 sind unverändert 250 Millionen geplant. Allein im zweiten Quartal steuerte das Programm 67 Millionen Euro bei. Im ersten Halbjahr wurden rund 100 Kliniken in den USA geschlossen, die Optimierung des US-Kliniknetzes gilt damit für 2026 als abgeschlossen. FMC erwartet, dass sich die effizientere Struktur in der zweiten Jahreshälfte positiv auf die Profitabilität auswirkt.
Mit der Einführung des neuen Dialysegeräts 5008X für die hochvolumige Hämodiafiltration (HVHDF) zeigte sich Giza sehr zufrieden. Das System sei inzwischen in 227 US-Kliniken im Einsatz und sei bereits bei mehr als 600.000 Behandlungen genutzt worden. Rund zehn Prozent der Dialysegeräte wurden ersetzt, bis Jahresende sollen es 20 Prozent werden. Die ersten Erfahrungen seien ermutigend, betonte die Managerin vor Analysten. Die hohen Sterblichkeitsraten unter US-Patienten hätten sich im Quartal verbessert, auch die Zahl der ausgefallenen Behandlungen sei gesunken. Auch berichteten Patienten über rund 40 Prozent weniger Muskelkrämpfe nach der Behandlung.
Das organische Behandlungswachstum in den USA ging im zweiten Quartal allerdings um 0,9 Prozent zurück, während das internationale Geschäft leicht zulegte. Als Gründe für die schwachen US-Zahlen nannte Giza unter anderem die Klinikschließungen, räumte aber auch operative Fehler ("operational miss") ein. Im Dialysegeschäft (Segment Care Delivery) steht deshalb ein Managementwechsel an: Das weltweite Klinikgeschäft übernimmt zum 1. August die bisherige Chefin des US-Nierengeschäfts, Cassie McLean.
"Damit haben wir das richtige Personal am Platz", sagte Giza. Es dürfte aber noch ein paar Monate dauern, die operativen Änderungen umzusetzen. Für das Gesamtjahr geht sie nun von einem US-Behandlungswachstum auf dem negativen Niveau des zweiten Quartals aus.
Die Jahresprognose bestätigte FMC aber. Der währungsbereinigte Umsatz soll 2026 etwa auf dem Vorjahresniveau von gut 19,6 Milliarden Euro liegen. Das bereinigte operative Ergebnis könnte ausgehend von gut 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen, allerdings auch im selben Maß sinken. Zur Begründung verweist der Konzern bisher auf die gestiegenen Kosten für die Einführung des Dialysegerätes und Preissteigerungen. Zunehmender Inflationsdruck komme auch durch den Konflikt im Nahen Osten, hieß es.
Zudem gehen Giza und ihr Finanzvorstand Martin Fischer davon aus, dass sich der bisherige Rückenwind durch die TDAPA-Erstattungen im zweiten Halbjahr umkehren wird, weil diese dann wegfallen. Allerdings dürfte der Nachteil weniger stark wiegen als gedacht. Aufs Gesamtjahr gesehen rechnet der Konzern hier mit einem negativen Effekt von 50 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr./tav/err/jha/