XXL-Windpark im Meer: Was das für die Energiewende bedeutet
KARLSRUHE (dpa-AFX) - Rund 110 Kilometer westlich der Insel Helgoland hat der Energiekonzern EnBW
"Offshore-Wind ist eine heimische, erneuerbare Energiequelle, die große Strommengen über viele Stunden im Jahr erzeugen kann und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Dekarbonisierung des Stromsystems leistet", erklärte Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, anlässlich des Installationsabschlusses.
Die meisten der Windkraftanlagen sind den Angaben nach schon ans Netz angeschlossen. Voraussichtlich bis zum Spätsommer soll "He Dreiht" vollständig in Betrieb gehen. "Mit einer installierten Gesamtleistung von 960 MW gehört "He Dreiht" außerdem zu den derzeit europaweit größten Projekten der Energiewende und wird rein rechnerisch 1,1 Millionen Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen", erklärt EnBW im Internet zu dem Projekt.
Zuletzt hatte es Probleme gegeben, weil Ende Juli ein 20 Meter langes Rotorblatt-Teil abgebrochen war und im Meer trieb. Der Hersteller Vestas
Abnahmeverträge statt Förderung
Ein einzelner Rotor hat den Daten zufolge einen Durchmesser von 236 Metern. Bei einer Umdrehung durchstreiche er eine Fläche von 43.742 Quadratmetern - so viel wie sechs Fußballfelder. Der Windpark sei mit einer Konverterstation auf See und zwei Hochspannungskabeln ans Stromnetz angeschlossen. Diese lägen über 120 Kilometer unter Wasser und auf 110 Kilometern an Land.
"He Dreiht" ist der fünfte Offshore-Windpark der EnBW. Mit ihm verdoppelt das Unternehmen seine Offshore-Leistung von bisher 976 Megawatt (MW) nahezu. Zudem ist er einer der ersten förderfreien Windparks, erhält also keine Einspeisevergütung aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz. Stattdessen hat EnBW langjährige Vereinbarungen mit Großabnehmern wie Google
Skepsis an Ausbauzielen
Vorstandschef Georg Stamatelopoulos hatte die Bundesregierung allerdings vor einigen Wochen aufgefordert, ihre Ausbauziele für die Windkraft in Nord- und Ostsee zu senken. "Wir müssen die Bezahlbarkeit im Auge behalten", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Situation habe sich "dramatisch verschlechtert". Windturbinen, Logistik und Kabel seien teurer geworden. Allein im Fünf-Jahres-Vergleich liege die Kostensteigerung bei 30 bis 40 Prozent.
Deshalb schlug er vor: "Lasst uns erst einmal 55 Gigawatt bauen, und dann sehen wir weiter." Gesetzliches Ziel der Regierung ist, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie auf See bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt (GW) auszubauen. Bis 2045 sollen 70 GW erreicht werden.
Laut der Stiftung Offshore-Windenergie waren Stand Ende Juni in Deutschland 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von rund 10,8 GW in Betrieb. "Insgesamt reichen die aktuellen Planungen bis 2035 und umfassen eine Gesamtleistung von ca. 41 GW."
Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit hatte EnBW im Januar entschieden, sich aus zwei Offshore-Windprojekten in der Irischen See zurückzuziehen. Der Konzern begründete dies vor allem damit, dass "Morgan" und "Mona" in Großbritannien zuletzt keine staatliche Förderung mehr erhalten hatten. Eine außerplanmäßige Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro war die Folge./kre/DP/zb