Serienhit geht weiter: Warum will jeder 'Nobody Wants This'?
BERLIN (dpa-AFX) - Die Liebeskomödie "Nobody Wants This" auf Netflix
Worum geht es in "Nobody Wants This" überhaupt?
Im Mittelpunkt steht die sehr direkte, agnostische Joanne, die gemeinsam mit ihrer Schwester Morgan einen erfolgreichen Podcast über Sex, Dating und Beziehungsfettnäpfchen betreibt. Bei einem Essen lernt Joanne den charismatischen Noah kennen. Noah ist ein Rabbiner, der kurz vor einem Karrieresprung in seiner Synagoge steht.
Zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten prallen hier also aufeinander. Neben kulturellen Hürden und gegenseitigen Vorurteilen bringen sich auch die Familien und Geschwister reichlich chaotisch in die aufkeimende Beziehung ein.
Warum spricht "Nobody Wants This" viele Menschen an?
Die Serie gilt als ein wohltuender Gegenentwurf zu genretypischen Rom-Coms voller Klischees: Sie ist kein klassisches Teenager-Drama oder eine chaotische Twentysomething-Romanze. Anstatt auf abgehobene Dramaturgie setzt die Serie auf Alltagskonflikte, Bindungsängste und kulturelle Missverständnisse, in denen sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer wiederfinden können.
Sie stellt mit witzigen und liebevollen Dialogen den modernen Beziehungs-Realismus von etablierten Erwachsenen in ihren 30ern und älter dar, die Lebenserfahrung und vergangene Enttäuschungen mit in ein Verhältnis bringen: Da wird eine große Liebe gezeigt - ohne die rosarote Brille. Da sind Konflikte und Zweifel - ohne den einen großen dramatischen Zwischenfall und dessen Auflösung, auf den eine Show sonst gerne hin konstruiert wird. Es wird stattdessen aufgearbeitet, dass das Verlieben zwar leicht ist, aber das Glück in aller Regel für keinen vorbehaltlos kommt.
Gelobt wird zudem die ungewöhnlich reife Kommunikation der beiden Hauptfiguren. Im Gegensatz zu klassischen romantischen Komödien, in denen Missverständnisse oder fehlende Aussprachen oft künstlich für Drama sorgen, sprechen Joanne und Noah Konflikte, Ängste und Unsicherheiten meist offen und auf Augenhöhe an. Besonders die Figur des Noah wurde als Paradebeispiel für ein gesundes, emotional verfügbares Männerbild gefeiert: Er verstellt sich nicht, er verheimlicht seine Gefühle nicht. Er entschuldigt sich aufrichtig für Fehler.
Und sicher trägt zum Erfolg der Serie die Bildschirm-Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern bei: Den Millennial-Stars Kristen Bell ("Veronica Mars") und Adam Brody ("O.C., California").
Wofür steht der Titel der Serie?
Zu Deutsch heißt die Serie: Niemand will das. Dieser Titel hat eine doppelte Bedeutung, die sowohl in der Handlung verankert ist als auch die übergeordnete Thematik beschreibt.
Zum einen heißt auch der in der Serie bespielte erfolgreiche Podcast von Joanne mit ihrer Schwester so, in dem sie den modernen Dating-Wahnsinn, Beziehungs-Alltag sowie toxische Verhältnisse besprechen. Zum anderen will eigentlich keiner aus dem Umfeld der beiden Hauptfiguren, dass Joanne und Noah zusammen sind. Und "Nobody Wants This" ist eine Antiphrase zur eigentlichen Botschaft der Serie: Wer will nicht eine gesunde, auf Augenhöhe geführte Liebesbeziehung?
Gibt es auch Kritik an der Serie oder ihren Darstellern?
Nach Veröffentlichung der ersten Staffel gab es öffentliche Debatten insbesondere um die Darstellung jüdischer Frauen, die klischeehaft oder unsympathisch wirken. Serienmacherin Erin Foster wies die Kritik zurück und betonte, dass es ihr um vielschichtige, menschliche Charaktere gehe und keineswegs darum, Stigmen zu bedienen.
Zuletzt geriet Hauptdarsteller Adam Brody in die Schlagzeilen. In einem Interview mit dem Magazin "GQ" äußerte sich der jüdische Schauspieler, der in der Serie einen Rabbiner spielt, öffentlich zum Gazakonflikt. Er bezeichnete das Vorgehen Israels als "Genozid" und sprach sich für ein freies Palästina aus. Seine Aussagen riefen Kritik hervor - unter anderem vom Rabbiner Steve Leder, der die Serie in der ersten Staffel als Fachberater begleitet hatte und Brodys Äußerungen in sozialen Netzwerken verurteilte.
Wie geht es in der neuen Staffel weiter?
"Hey, wir wohnen zusammen. Ja, endlich!": Joanne und Noah richten sich nach den Turbulenzen der letzten Staffeln zusammen ein. Sie machen durch, was andere auch durchmachen und sind genervt von offenen Schranktüren, verlegten Dingen - aber einfach lustiger.
Und Joanne setzt sich ernsthaft mit den Bräuchen, Werten und Erwartungen einer Konvertierung zum Judentum auseinander. Aber der Druck auf sie bleibt hoch: "Ich habe es satt, als Belastung wahrgenommen zu werden."
Es wird außerdem angedeutet, dass sich die Dynamik zwischen zwei weiteren, beliebten Figuren der Serie - Joannes Schwester Morgan (Justine Lupe) und Noahs Bruder Sasha - intensiviert - nachdem Sashas Frau sich am Ende der letzten Staffel getrennt hat./may/DP/zb