ROUNDUP: Frankreichs Handel beklagt schwere Einbußen wegen Protesten
PARIS (dpa-AFX) - Frankreichs Einzelhandel beklagt massive Einbußen wegen der landesweiten Massenproteste mit schweren Ausschreitungen. An den vergangenen beiden Samstagen sei der Umsatz in den Innenstädten, in denen es zu Demonstrationen kam, um 80 Prozent eingebrochen, weil die Kundschaft die Stadtzentren meide, teilte die Handelskammer CCI France mit, wie der Sender France Info berichtete.
Eine Fortsetzung der Proteste habe für den Handel, der im November und Dezember 40 Prozent seines Jahresumsatzes mache, schwere Folgen, sagte Handelskammerchef Alain Di Crescenzo. Er forderte ein Verbot von Demonstrationen in den Städten bis zum Jahresende.
Bei den Ausschreitungen an den vergangenen beiden Samstagen seien frankreichweit über 2.500 Geschäfte beschädigt worden, die meisten davon am 17. Oktober, teilte die Handelskammer mit. Davon seien 1.161 Geschäfte durch Plünderungen, Verwüstungen und Brandstiftungen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Am schlimmsten betroffen sei die Hafenstadt Marseille mit 527 Geschäften. 331 Läden seien dort verwüstet und 128 vollständig geplündert worden.
In Paris verschärften die Ausschreitungen die Probleme des ohnehin schwer angeschlagenen Traditionskaufhauses BHV Marais im Herzen der Stadt, wie Inhaber Karl-Stéphane Cottendin mitteilte. Beim Handelsgericht sei ein Antrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens eingereicht worden, um den Sanierungsplan abzusichern und den Geschäftsbetrieb sowie die Arbeitsplätze zu erhalten. Die Unruhen an den vergangenen Wochenenden, die bis zur Plünderung des Erdgeschosses des Kaufhauses reichten, hätten die ohnehin angespannte Liquiditätslage zusätzlich belastet, hieß es.
Läden bleiben vorläufig verrammelt
In Paris und anderen Städten verrammelten viele Geschäfte ihre Schaufenster vor den Demonstrationen am vergangenen Samstag mit Holzplatten. Weil bereits weitere Proteste für den anstehenden Samstag und den Donnerstag nächster Woche angekündigt wurden, montierten etliche Läden die Schutzvorrichtungen erst gar nicht ab. Teils ist nur die Eingangstür der Geschäfte zugänglich und von den Waren von außen nichts zu sehen.
Es gab auch Berichte von Geschäftsinhabern, die sich vor den Demonstrationen vom vergangenen Samstag bewaffneten, um Angreifer eigenhändig abzuwehren, etwa mit Eisenstangen oder Tränengas. Auch rechtsextreme Gruppen und Hooligans mobilisierten in einigen Städten - angeblich, um die Geschäfte zu schützen. Vielfach lieferten sie sich aber gewalttätige Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten./evs/DP/jha